23. Juni 2012
The only way up is down...
Dieser Aufnahme wohnt unheimlich viel Dynamik inne, aber leider nur vom Belichtungsumfang her betrachtet. Die Eisenbahn hingegen glänzte während der Wartezeit durch undynamische Abwesenheit.
Macht nix, denn dafür präsentiert sich mein Leben im Jahre 2012 unheimlich dynamisch. Aus nahezu heiterem Himmel erwischte mich Anfang März eine ausgewachsene Depression. Nie hätte ich gedacht, dass mir dies passieren würde, zumal die Krankheit vorwiegend intelligente und feinfühlige Menschen befällt.
Sehr plastisch schildert Piet C. Kuiper (Chefarzt einer Psychiatrie) im Buch 'Seelenfinsternis' seinen eigenen Absturz. Hammer!
Naja, wie auch immer, bescherte mir dieses Ereignis einen mehrwöchigen Aufenthalt im Hochschwarzwald, und die Liebe zur Fotografie (in bewährter Kombination mit dämlicher Bild-Kommentierung) half und hilft beim Wiedereintritt in das Leben.
Herzlichen Dank für die zahlreichen aufrichtigen Genesungswünsche!
Postcard as Postcard can be
Der untrügliche Blick des Betrachters** hat mich natürlich gleich entlarvt, stimmt's?
Klar, hier wurde ein wenig der Schönheit praller Farben nachgeholfen, aber wirklich nur wenig!
Denn schaut man sich als Vergleich die Souvenir-Postkarten des Städtchens Titisee-Neustadt an (dessen Bewohner sich offensichtlich ausschließlich mit dem Verkauf von Kuckucksuhren und Schwarzwälder Schinken über Wasser halten), droht spontaner Augenkrebs.
Sollte jemand den Titisee tatsächlich schon mal in diesem übersättigten Ozeanblau erlebt haben, waren vermutlich erste Erfahrungen mit in Honig eingelegten Psilocybin-Pilzen die Ursache. Naja, wem's schmeckt ;-)
Interessant aber die Y-Schwellenkonstruktion, die eine bessere Krafteinleitung in das Schotterbett ermöglicht und sich darüber hinaus hartnäckiger gegen Seitenkräfte zur Wehr setzt.
Beides hat die Trasse der Höllentalbahn (von Freiburg über Titisee-Neustadt bis Seebrugg) auch bitter nötig. Tipp: mitfahren und staunen!
Noch interessanter und vor allem für die Liga der freundlichen Auf-Lötkolben-Detailtiefe-Betrachter dürfte das verloren wirkende weiße Pixel im blauen Himmel (Bildmitte) sein. Hier handelte es sich um einen motorisierten Paraglider.
Da es im Hochschwarzwald nur so von psychiatrischen Reha-Kliniken wimmelt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass am Steuer des Paragliders ein Parapsychologe saß.
Ich werf' mich weg ob dieses einzigartigen Wortspiels. Ihr auch? Nee, nicht so arg, oder?
** You're too clever for us naughty people. Seriously ;-)
Mit freundlichen Grüßen
...oder Vesna & Boot & See & Zug & Kirche & alles was es gibt auf der Welt.
Nein Quatsch, das ist natürlich haltlos überzogen, denn es fehlt mindestens ein Zeppelin, eine Möve und eine Dampflok zum All-in-One-Schnappschuß.
Ich finde es übrigens gut, dass der perfekte Shot eigentlich nie gelingt, denn folgerichtig müsste man sich dann ein neues Hobby suchen - die nachkommenden Aufnahmen können nur schlechter werden.
Zum Bild: die Regionalbahn setzte sich bereits in Richtung Seebrugg in Bewegung, womit meine liebe Vesna nur wenige Sekunden für eine geeignete 'Parkposition' blieben. Die urplötzliche Hektik führte - in Kombination mit erzwungenermaßen notwendigem Blick in Richtung Sonne (welche sich zusätzlich noch 1000x mal im See spiegelte *ggg*) zu diesem unnachahmlich freundlichen und entspannten Gesichtsausdruck.
Herrlich, da fühlt man sich als Fotograf so gar überhaupt nicht als Störfaktor oder ShowStopper.
So, dann wäre das auch geklärt. Hat noch jemand Fragen? Ja, ich!
Woher hat dieser wildromantische Titisee eigentlich seinen Namen? Weiß nicht...
...aber ich hege einen leisen Verdacht ;-)
Aus einem ätzenden Schnellschuß wird ein saumäßig spannendes 3D-Experiment ;-)
Wow, ein Zug mit Dach auf dem Dach... und obendrein neigt das Nikkor 18-200 bei mittlerer Brennweite überhaupt nicht auch nur ein kleines bißchen zur Pincushion-Verzerrung ;-)
Egal, denn heute tun wir was für Auge und Hirn. Dazu gehen wir vor wie folgt:
Betrachten sie das Bild aus gewohnter und lieb gewonnener Entfernung. Nun halten sie sich mit der Hand ein Auge zu. In den allermeisten Fällen bleibt nun ein Auge übrig, welches das Bild betrachtet.
Nun kommt, ebenfalls in den allermeisten Fällen, das Gehirn mit ins Spiel: nach wenigen Sekunden sollte ihnen die Aufnahme dreidimensional erscheinen. Besonders das Wiesenkraut am rechten Bildrand lädt beinahe zum Reingreifen ein. Toll gell?
Wie funktioniert das?
Ganz einfach: fehlt dem Gehirn das für räumliches Sehen notwendige zweite Auge, kann es nicht mehr unterscheiden, ob sie nur auf ein flaches Bild am Monitor oder auf die 'richtige Welt' blicken...
...und bastelt sich somit aus dem flachen Bild am Monitor die dazugehörige 'echte 3D-Welt' zusammen...
...ganz so, wie es die Lebenserfahrung als sinnvoll erscheinen lässt. Dies führt im Umkehrschluss zu folgender Aussage:
Sollte jemand kein dreidimensionales Bild sehen, liegt wahrscheinlich eine Beeinträchtigung des räumlichen Sehvermögens vor.
Für alle anderen noch ein interessanter Hinweis: sie haben sich sicherlich nichts dabei gedacht, und scheinbar wahllos die Hand vor eines ihrer beiden Augen gehalten. Tatsächlich war dies aber ein bewusster Akt, denn sie haben sich dafür entschieden, dass ihr 'führendes Auge' nicht verdeckt werden soll. Das führende Auge benutzen sie im normalen Leben bspw. beim Peilen, während das andere Auge zugekniffen wird.
Peilen sie doch mal mit dem anderen Auge - es wirkt irgendwie 'unpassend'...
...und damit zurück zum Experiment: halten sie sich doch mal das Führungsauge zu. Das Bild wird zwar auch nach wenigen Sekunden räumlich, aber die Betrachtung erscheint deutlich anstrengender...
...vergleichbar mit einem Rechtshänder, der 'mit Links' einen Ball werfen soll ;-)
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