Best of Eisenbahn - recolored
Alter Wein in neuen Schläuchen - alte Schinken neu coloriert.
Optische Täuschung
Szenario A: wir stehen stundenlang am Schienenstrang und blicken wahlweise auf rote Signale, Fernzüge im weiß-roten Lazarett-Design, verkehrsroten Regionalverkehr oder in unseren mittlerweile verstaubten Sucher.
Situation B: wir fahren nach Feierabend in den heimatlichen Supermarkt, und just in jenem Augenblick, da wir aus dem Auto aussteigen, rollt keine hundert Meter entfernt eine Doppeltraktion 151er mit geschätzten 380 Erzwaggons durch das zum Greifen nahe Geislinger Hufeisen.
Situation B widerfuhr mir letzte Woche (Anfang März 2013), Szenario A passiert mir andauernd. Witzig, gell...
...aber wer steckt hinter diesen Ironien des Schicksals? Der liebe Gott? Luzifer? Erzengel Gabriel? Guido Cantz und seine versteckten Kameras?
Nein, schuld daran trägt ein Phänomen, dass sich 'selektive Wahrnehmung' schimpft. Nach meinem Verständnis also eine ganz spezielle Unterart der Optischen Täuschung ;-)
Wir sehen nur... nein halt... wir nehmen nur wahr, was wir wahrnehmen wollen. Also meistens Dinge, die uns in irgendeiner Weise und im wahrsten Sinne des Wortes 'bemerkenswert' (und erinnerungswürdig) erscheinen.
Einerseits also durchaus verständlich, dass der ungenutzte Drive-By dieses tollen Güterzugs Gedanken wie 'Na toll, das ist doch wieder ganz typisch!' hervor bringt. Andererseits sollte man sich aber dann auch vergegenwärtigen, dass man in den letzten Monaten mindestens 73 Mal zum Supermarkt gefahren ist und dabei lediglich auf gähnend leere Geleise blicken durfte.
Also cool bleiben...
...und überhaupt: die mir entgangene Sichtung habe ich in fast identischer Form bereits vor einigen Jahren und bei viiiiel schöneren Rahmenbedingungen fotografieren können. Übrigens war das damals ein völlig ungeplanter schnappender Schuss. Da beschwert sich dann aber komischerweise keiner, kicher kicher.
Aufnahme irgendwann im Juli irgendwo bei Pfuhl. Im Hintergrund verdunkelte ein gar herrliches Sommergewitter den Himmel.
Wohlfühl-Faktor
Nach wie vor (Stand 25. Februar 2013) herrscht unsagbar monotones Winterwetter. Ganz toll. Die Kamera ist mittlerweile zu Staub zerfallen, und zwischen den wie Orgelpfeifen aufgestellten Festbrennweiten begeistern mehrere Kreuzspinnen mit im Morgentau glitzernden Radnetzen.
Wußten Sie, dass nur die umlaufenden Fäden klebrig sind, nicht aber die von der Speiche aus radial verlaufenden 'Träger'?
Und wissen Sie auch, warum die Spinne nicht in ihrem eigenen Netz hängen bleibt? Richtig: jeweils ein Tröpfchen Öl an den Enden der 5-8 Beine (die Anzahl schwankt in Abhängigkeit der Vorgeschichte) macht's möglich.
Und wissen Sie darüber hinaus, wie sehr mich die aktuelle Wetterlage ankotzt? Sehen Sie, das haben Sie nicht gewusst.
Also höchste Nasch-Zeit für ein knallbuntes Bonbon mit viel Vitamin Color. Zu diesem Behufe reisen wir zurück in den Sommer 2009, krempeln beide Ärmel hoch und tauchen unsere Hände bis zu den Ellenbogen in die klebrigen Farbtöpfe.
Von Westerstetten kommend fährt DE668 dem milden Licht der bereits tief stehenden Abendsonne entgegen. Ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre, wie ich in T-Shirt und kurzen Hosen auf der Lauer gelegen bin, während ein leichtes südostliches Lüftchen warm und behaglich durch's damals noch etwas vollere Haupthaar strich.
Herrlich...
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